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Antwort an Main-Post auf Artikel Steigerwald von Henry Stern

10.06.2020

Sehr geehrte Damen und Herren, am gestrigen Samstag ließen Sie Ihren Redakteur Henry Stern aus der sicheren Entfernung seines Münchner Betätigungsfeldes einen offenen Brief an mich schreiben

 Auf das Positive dieses Vorgangs will ich zuerst eingehen. Haben Sie mich damit doch freundlicher Weise von meinem lange gehegten Zweifel befreit, dass die Arbeit unterfränkischer Kabinettsmitglieder der Bayerischen Staatsregierung unterhalb Ihrer Wahrnehmungsebene liegt, womit ich nicht die Pflichttermine aus meinem Amt oder Mandat meine. Wie könnte man sich sonst erklären, dass Sie bisher meine, mehrfach gegenüber Mitgliedern Ihrer Redaktion gegebenen Anregungen zu einem Meinungsaustausch seit Jahren schlichtweg übergehen. Damit hätte sich für Sie doch jederzeit im Rahmen einer objektiven Meinungsbildung die Möglichkeit ergeben, meine Argumente und Motive kennenzulernen, warum es im Steigerwald einen so breiten und engagierten Widerstand gegen einen Nationalpark gibt. Stattdessen lassen Sie mir von Herrn Stern aus München einen offenen Brief schreiben. Einem Mitarbeiter, dessen Arbeit ich im Rahmen der Landtags-Berichterstattung verfolge und bestätigen kann, dass er sich dort auskennt – im Steigerwald tut er das nicht. Jedenfalls erweckt er diesen Eindruck, durch die selektive und subjektive Gewichtung von Fakten auf die er im Zuge seiner Recherche, wenn sie denn stattfand, gestoßen sein muss. Was gibt es denn daran herumzumäkeln, dass die Region, der Verein und auch ich persönlich, die jetzt gefundene Lösung zur Ausweisung der Naturwaldfläche im Steigerwald „mittragen“? Ich gebe Ihnen gleich die Antwort dazu: Es ist schlicht der Mangel an Faktenwissen. Wenn Herr Stern sich gründlich informiert hätte, könnte er meine nüchterne Akzeptanz besser verstehen: Zwischenzeitlich ist der wissenschaftliche Nachweis erbracht, dass nachhaltig bewirtschaftete Wälder weniger CO2 produzieren als verwilderte Natur im Rahmen eines Totalschutzgebietes. Im Sinne einer nachhaltigen Klimapolitik ist die Ausweisung von Naturwald deshalb kontraproduktiv. Meine und unsere Zustimmung zu mehr Naturwald fällt deshalb weniger euphorisch aus, weil ich in meine Überlegungen mit einbeziehe, dass es jenseits der Klimapolitik auch noch den starken Wunsch vieler Bürger nach unberührter Natur gibt, der auch Beachtung finden soll. Paradoxerweise geht die Erfüllung dieses Wunsches aber auf Kosten der Natur. Ich ertrage es, dass meine nachdenkliche und verantwortungsvolle Entscheidung im Zuge dieser Abwägung von Vor- und Nachteilen von Ihrem Redakteure als „lustlos“ vollkommen missinterpretiert wurde. Bei allem Verständnis für Ihre Position, mit offenen Briefen an prominenter Stelle des Blattes, natürlich auch einen gewissen Unterhaltungswert für die verbliebenen Leser, bekanntermaßen in allen Printmedien, zu generieren, fordern Sie natürlich eine Reaktion heraus, wenn Ihr Briefschreiber das Thema Steigerwald und meine Rolle mit Süffisanz, also selbstgefällig und in spöttischer Weise und ein Gefühl von Überlegenheit aus Münchner Sicht zur Schau tragend, erfüllt. Ich gehe davon aus, dass Sie im Einstecken so sportlich sind, wie im Austeilen und erwidere Ihre Frage: Warum in Sachen Steigerwald nicht mal versöhnen? gerne mit der Gegenfrage: Warum in Sachen Steigerwald nicht mal die ganze Wahrheit schreiben? Zum Beispiel, dass der damalige Landrat Denzler bei der Ausweisung des Schutzgebietes „Hoher Buchener Wald“ handstreichartig seine Kompetenzen verantwortungslos und weit überschritt, indem er rechtswidrig das Bundesnatur-Schutzgesetz missbräuchlich in seinem Sinne überdehnte. Statt hier Amtsanmaßung eines Amtsträgers und strategische Willfährigkeit gegenüber Umweltverbänden beim Namen zu nennen, sprechen Sie wiederholt „von einem mit CSU-Mehrheit im Landtag einkassierten Schutzgebiet“. Nach eindeutigen Gerichtsentscheidungen auf oberster Ebene war es unumgänglich, diese Amtsüberschreitung und Anmaßung Denzlers durch den Landtag zurückzunehmen. Sie aber stimmen in das Lamento derer ein, die von den Gerichten entlarvt wurden. Ähnlich unreflektiert zeigten Sie sich auch in der Berichterstattung über den Verein Nationalpark Nordsteigerwald und die unerzogenen Aussagen des Würzburger Anwalts Baumann, als der unter dem Jubel seiner Auftraggeber die Kritik am Verhalten Denzlers kommentierte: „Hier wird der, der rechtmäßig handelte, zum Opfer gemacht. Und die, welche die Halunken sind, machen ihm Vorwürfe!“ Gemeint waren ich und meine Mitstreiter im Verein „Unser Steigerwald“. Kein Wort in Ihrer Zeitung, dass dies objektiv unrichtig ist und das Verhalten Denzlers rechtskräftig als rechtswidrig erkannt wurde. Das bringt mich zu einem weiteren Aspekt dieses Briefes, nämlich zur Frage, wie voreingenommen Journalismus sein darf und ob der demokratisch legitimierte Widerstand einer ganzen Region gegen die Ausweisung eines Nationalparks in der Berichterstattung geringer erachtet werden darf als die Aktivitäten einer ideologisch motivierten Minderheit, die nur ihre isolationistische Sichtweise pflegt. Die ganze Situation im Steigerwald ist von Anfang an befeuert, durch die unversöhnlich vorgetragene Maximal-Forderung „Nationalpark oder Nichts“. Dass da aber Menschen leben und Existenzen bedroht werden, dass eine Gesellschaft aus mehr besteht, als nur Naturschutz, interessiert eine aggressive Minderheit nicht im Geringsten. So funktioniert eine demokratische Gesellschaft aber nicht. An Gesprächsangeboten von meiner und von unserer Seite hat es nicht gemangelt. Ebenso wenig an Kompromissformeln. Alles vergeblich. Gerne rege ich Sie deshalb an, einen offenen Brief an diejenigen zu schreiben, welche die eigentlichen Auslöser des Vorgangs sind. Sind Sie aber nicht überrascht, wenn Sie, wie wir, die Feststellung treffen müssen, dass gegen kompromisslose Ideologen keine Gesprächsangebote helfen. Lassen Sie mich diesen Brief mit der Anmerkung schließen, dass Artikel in der Zeitung zu schreiben allemal noch einfacher ist, als allen Gesichtspunkten einer aufgeklärten und kritischen Öffentlichkeit in einem demokratischen Diskurs Rechnung zu tragen. In dem schwierigen Unterfangen, alle persönlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und klimatischen Aspekte in unsere Entscheidungen einzubeziehen, um allen gesellschaftlichen Gruppierungen Beachtung zu schenken, halten wir die 850 ha Naturwald im Steigerwald für einen guten Kompromiss, unabhängig davon, ob Sie dies als „lustloses mittragen“ sehen oder nicht. Jetzt wäre es an der Zeit für die Nationalpark-Befürworter, endlich die Möglichkeit zum Kompromiss zu begreifen. Sie könnten mit einer neu justierten Berichterstattung sicher einen guten Beitrag dazu leisten. Mit freundlichen Grüßen Gerhard Eck